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Ein Sonntag in der Heide

Am 22. Mai 2011 startete der Stammtisch Deutschland Mitte zu einer Porscheausfahrt in die Heide. Unser erstes Ziel war der Landkreis Gifhorn, dort wo unter dem Motto "Lebendiges Museum" auch im Kinomuseum von Vollbüttel allerlei Sehenswürdigkeiten gesammelt wurden. Gemeinsam besuchten wir das Kinomuseum, das seit 1997 existiert, und bestaunten unter einer eindrucksvollen Führung all die dort gesammelten Gegenstände.

Die Hallen eines ehemaligen Raiffeisengeländes wurden in Eigenleistungen durch den dortigen Verein umgebaut. So entstand ein kleiner Kinosaal und auch die Ausstellung selbst, in der man Amateurtechniken und Filmprojektionen bestaunen kann, fand hier eine Heimat. Wir konnten die großen Kinomaschinen, die von 1914 bis 1960 noch in Betrieb waren, genau betrachten. Hier war auch eine Maschine zu sehen, die im Zeitraum 1909 bis 1933 weitere 15.000-mal gebaut wurde. Sie hat eine Trommel, bei der alle 22 Minuten der Film gewechselt werden musste. Das war schon ein sehr intensiver Job als Filmvorführer damals! Bis 1950 gab es den Nitrofilm in der Produktion. An einem eindrucksvollen Beispiel wurde uns gezeigt, dass dieses Filmmaterial nicht löschbar ist! Unsere Technikbegeisterten wurden über die Feinheiten des Filmtransports innerhalb der Kinomaschine aufgeklärt und fanden darin ihre Faszination. Eine weitere Sektion ist der Bereich "Frühes Fernsehen". Hier sahen wir zunächst einmal eine "Hör Zu" von 1951 aus dem Hörfunk, die ähnlich aufgebaut war wie die heutige Fernsehzeitung: Jede Radiosendung war beschrieben! Wir sahen den Fernseher Löwe Opta 57 und auch den DDR-Fernseher Typ Rembrandt. Das Testfernsehen fing in beiden deutschen Staaten ca. 1953 an. 1954 wurden im Westfernsehen wöchentlich zwei Tagesschauen gezeigt; ähnlich verhielt es sich beim Fernsehen der DDR. Allerdings war der Ton des DDR-Fernsehens im Westen nicht zu hören. Das lag an unterschiedlichen Systemen, die DDR wollte sich anscheinend abschotten. Ein besonderes Highlight war eine Wochenschau aus dem Jahre 1960, die uns in dem kleinen, originalgetreuen Kinosaal vorgeführt wurde.

Unser nächstes Ziel war das Dorf-Café "Alte Schule" in Suderburg-Hösseringen. Dort hat sich Herr Schrader – jeder Motorsportfreund kennt den Schrader-Verlag, der 1998 in den Motorbuchverlag Stuttgart überging – die alte Schule gekauft, ein Dorf-Café errichtet, das einen wirklich leckeren, selbstgebackenen Kuchen anbietet, und über eine eigene Bücherei und ein kleines Schulmuseum verfügt. Wir fachsimpelten mit Herrn Schrader, der heute noch, wenn er Zeit dazu findet, an Motorsportbüchern mitarbeitet. Übrigens: Das zuletzt herausgegebene Porschebuch wurde von ihm übersetzt.

Auf der Rückfahrt hielten wir an der Gedenkstätte des ICE-Unglücks in Eschede, an der 101 Kirschbäume gepflanzt wurden – für jedes Opfer ein Baum.

Den Tag beendeten wir dann mit einem gemeinsamen Spargelessen und begaben uns anschließend zufrieden und in aller Ruhe wieder nach Hause.